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Pressekonferenz 12.11.2019 – Cafe Museum

Positiv Leben im Alltag – das Leben danach

„Der Arzt als Partner nach der Diagnose“
Dr. Horst Schalk, 
Arzt für Allgemeinmedizin, Vorstandsmitglied der ÖGNÄ-HIV – Österreichische Gesellschaft niedergelassener Ärzte zur Betreuung HIV-Infizierter

Auf Grund der hervorragenden Wirksamkeit und der geringen Nebenwirkungen einer modernen HIV-Therapie erfolgt in der heutigen Zeit die Einleitung derselben unmittelbar auf die Diagnosestellung. Die Zeiten, als man oft jahrelang – oft bis zum deutlichen Absinken der CD4-Helferzellen – wartete, gehören inzwischen der Vergangenheit an. Darum ist es umso wichtiger, nach dem Erhalt eines positiven Testergebnisses, rasch eine HIV-Behandlungsstelle aufzusuchen. HIV-Therapien werden in Österreich in Tirol, Salzburg, Kärnten, Oberösterreich und in der Steiermark in den Landeshauptstädten und in Wien in Spitalsambulanzen, sowie in Wien zusätzlich in einigen spezialisierten Praxen durchgeführt. Moderne HIV-Therapien bieten ein meist nebenwirkungsfreies Leben mit einer normalen Lebenserwartung. Je früher man mit der HIV-Therapie beginnt umso stabiler bleibt das Immunsystem, dies ist der Vorteil für den Betroffenen selbst, da er nicht mehr an AIDS erkranken kann, zum anderen verhindert eine optimal durchgeführte HIV-Therapie die Übertragung der Infektion auf andere Menschen. Jenen wenigen Patienten, die noch immer Vorbehalte gegen eine Therapie vorbringen, kann man guten Gewissens mitteilen, dass diese ihr Leben kaum beeinträchtigen wird. Diese Fakten sind inzwischen vielen Menschen bekannt, sodass viele Patienten schon von sich aus, die Einleitung einer HIV-Therapie wünschen. 

Trotz einiger vielversprechender Ansätze besteht zurzeit keine Hoffnung auf eine Heilung in den nächsten Jahren. Allerdings zeichnet sich eine nicht unerhebliche Vereinfachung der HIV-Therapie an. Zum einen können auf Grund der Potenz der neueren Medikamente die Anzahl der Substanzen reduziert werden, zum anderen wir bereits kommendes Jahr die erste HIV-Therapie zur intramuskulären Applikation (Spritze) auf den Markt kommen. Diese neue Therapieform erspart dem Patienten die tägliche Talbetteneinnahme und erfordert lediglich die Verabreichung einer Injektion im Abstand mehrerer Wochen. 

Inzwischen widme ich mich mehr als 25 Jahre dem Thema HIV. Für mich gab es zwei Hauptgründe mich zusätzlich neben der Allgemeinmedizin mit dem Schwerpunkt HIV zu beschäftigen. Als schwuler Mann besteht schon auf Grund HIV-positiver Bekannter und Freunde ein bestimmtes Naheverhältnis zu dieser Erkrankung, zum anderen ist dieses Thema auf Grund der ständigen Forschung spannend und hochinteressant. Neben der fachlichen medizinischen Qualifikation sollte ein HIV-Therapeut unbedingt auch die nötige Empathie und das nötige Einfühlungsvermögen besitzen um Menschen die gerade in den ersten Wochen nach der Diagnosestellung einer schweren psychischen Belastung ausgesetzt sind, zu unterstützen. Sehr positiv ist es auch, wenn man als HIV-Behandler ein Netzwerk von Fachärzten und Psychotherapeuten aufbaut, die diesem Thema ähnlich positiv gegenüberstehen.